Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International: Mit Millöckers Operette „Der Feldprediger“ startete Deutschland am 26. August 1929 um 20.00 Uhr seine Kurzwellenprogramme, um Deutsche und an Deutschland Interessierte in der Ferne zu erreichen. Auslandsrundfunkprogramme gehörten von da an fest zur deutschen Rundfunkarbeit. Im Laufe der Zeit wurden dafür auf deutschem Boden extra Sender ins Leben gerufen. Beim Rundfunk der DDR war Radio Berlin International (RBI) mit dieser Aufgabe betraut. Was sie beinhaltete und wie sie umgesetzt wurde lesen Sie hier:

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International

Funkhaus Nalepastraße – vom anderen Ufer der Spree

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International

Lautlos und unsichtbar kam es daher – das neue technische Wunder in Gestalt elektromagnetischer Wellen, das ohne Drahtverbindungen und Signalstationen auf Sichtweite auskam, um Informationen zu übermitteln. Für eine Weltreise längst des Äquators brauchen die elektromagnetischen Wellen des Radios eine siebentel Sekunde. Der Hörer kann im kleinsten privaten Bereich Teilnehmer des Geschehens werden dank der Kurzwellen, die neue Dimensionen der journalistischen Vermittlung von Wort und Musik, von Politik und Kultur seinerzeit erschlossen haben.

„Wenn ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.“ (Zitat von Albert Einstein)

Vom Funk zur Rundfunksendung ging es aber nicht geradewegs. Die erste deutsche Rundfunksendung ging von der Hauptfunkstelle in Königswusterhausen bei Berlin am 22. Dezember 1920 in den Äther. Es war ein Weihnachtskonzert der Postbeamten dieser Funkstelle. Aber erst Jahre später prägten Postbeamte besagter Hauptfunkstelle für den neuen Übertragungsweg von öffentlichen Informationen und Klängen mit Hilfe der elektronischen Wellen den Begriff „Rundfunk“. Als Gründungsdatum des deutschen Rundfunks gilt der 29. Oktober 1923. An jenem Tag gab Staatssekretär Dr. Hans Bredow den Startschuss zur ersten Sendung des Unterhaltungsrundfunks im Vox-Haus am Potsdamer Platz in Berlin.

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International

Was technisch möglich ist, wird politisch genutzt. Die Unabhängigkeit der Funkwellen von territorialen Grenzen und politischen Verhältnissen in ihrem Ausbreitungsgebiet verleiht ihnen eine bedeutende Überlegenheit gegenüber anderen Medien, die für das Ausland wirken, wenn der Empfang für Hörer von Radiosendern technisch klar und zeitlich günstig ist. Aber wie unabhängig die Funkwellen in ihrer Ausbreitung auch gewesen sein mochten, die, die sie mit Inhalten versahen und sendeten, waren es nicht. Für die Staatsgewaltigen taten sich hier neue Möglichkeiten der Einflussnahme auf und noch in seinen Kinderschuhen nahmen sie den Rundfunk unter ihre Fittiche. Welche Blüten das treiben konnte, demonstrierten die Nationalsozialisten auf unheilvolle Weise. Aber auch danach mit dem Aufkommen des Kalten Krieges ging es im Äther zuweilen deftig zu, insbesondere im neuen deutsch-deutschen Verhältnis. Und nicht nur dort. Am 20. Dezember 1948 wurde durch die französische Militärbehörde die Sendeanlage des Berliner Rundfunks gesprengt und so ein mehr als zweimonatiger Sendeausfall verursacht.

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International – Buchvorstellung

Vom Westen politisch-diplomatisch geschnitten und von den Regierenden in Bonn zur bloßen „Zone“ degradiert, hatte es die DDR von Beginn an schwer, sich auf dem internationalen Parkett als eigener Staat mit deutscher Identität darzustellen und zu profilieren. Der Startschuss für den Auslandsrundfunk der DDR fiel aber erst 1955, als mit dem angestrengten Beitritt der Bundesrepublik zur NATO die Zementierung der deutschen Spaltung drohte. Am 15. April 1955 um 18.00 Uhr MEZ eröffnete die DDR ihre fremdsprachigen Sendungen für das Ausland mit einem Programm für Frankreich, das noch bei Radio DDR angesiedelt war und dem Leitsatz folgte, dass von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen möge.
In seinem Buch „Wellen mit tausend Klängen. Geschichten rund um den Erdball in Sendungen des Auslandsrundfunks der DDR Radio Berlin International“, erschienen beim Vistas-Verlag (ISBN 3-89158-372-9), beleuchtet Prof. Dr. Heinz Odermann den Werdegang des Auslandsrundfunks der DDR. Auf 16 Kapitel verteilt wird Wissenswertes geboten unter anderem über

  • das mittels Rundfunk vermittelte Leben in der DDR,
  • die Rekrutierung der neuen Kader für den Rundfunk der DDR
  • die technisch-organisatorische Seite des Sendebetriebs,
  • die Richtlinienkompetenz und
  • das Wirken und den Stellenwert von Hörerklubs in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Selbst jahrelang als Stellvertreter des Chefredakteurs bei RBI für national befreite Länder und Lateinamerika tätig gewesen, lässt der Autor hier natürlich Insiderwissen einfließen und zeichnet ein recht facettenreiches und kritisches Bild mit Blick auf die Medienpolitik und den Auslandsrundfunk der DDR.

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International

Logo von Radio Berlin International

Radio Berlin International – ein Aushängeschild der DDR

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International – gab es etwas, was beides verband? Die Sendeanlagen bei Königswusterhausen und Nauen existierten nach dem Krieg noch, das alte Vox-Haus hingegen nicht mehr. Notgedrungen musste ein neuer Platz für die Redaktionen der Sender her, und das in einer mittlerweile in Sektoren aufgeteilten Stadt. Gefunden wurde er in Oberschöneweide in der Nalepastraße auf dem Gelände einer ehemaligen Sperrholzfabrik. Es dauerte aber bis 1966, bis das neue Funkhaus voll bezugsfähig war und neben Radio Berlin International auch den Deutschlandsender, Radio DDR I und II, den Berliner Rundfunk und DT 64 beherbergen konnte.
Den Sendebetrieb aufgenommen hatte Radio Berlin International nach der Eingliederung des Auslandsdienstes von Radio DDR bereits am 20. Mai 1959. Die ersten Takte der Nationalhymne der DDR „Auferstanden aus Ruinen …“ dienten als Erkennungs- und Pausenzeichen. Weitere Fremdsprachenprogramme waren inzwischen eingerichtet worden, vor allem bedingt durch den Kampf gegen das Kolonialjoch und den Neokolonialismus in vielen Ländern der Dritten Welt, für den sich die DDR sehr engagierte. Zu Ausstrahlungen in Arabisch sowie in Englisch und Französisch für Afrika gesellten sich bald Sendungen in Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Hindi und Suaheli.

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International – mit im Dienst der Außenpolitik

Radio Berlin International kam noch eine besondere außenpolitische Rolle zu, zumal die DDR zu der Mehrzahl der Staaten bis Anfang der 70er Jahre über keine diplomatischen Beziehungen verfügte. Der Sender übernahm zu den allgemeinen journalistischen Aufgaben die Funktion, offizielle Erklärungen der Regierung und inoffizielle Stellungnahmen zu außenpolitischen Belangen zu verbreiten und Verbindungen zu anderen Staaten herzustellen, wobei Regierung und Sender sich darauf stützten, dass die Monitordienste der anderen Staaten wichtige Sendebeiträge ihren Regierungen zuleiteten. Das waren eigentlich Aufgaben, die im allgemeinen diplomatischen Vertretern obliegen. Als Haupthindernis galt hier über Jahre die Bonner Hallstein-Doktrin, die darauf abzielte, die DDR außenpolitisch und außenwirtschaftlich zu marginalisieren.

Deutscher Rundfunk und Radio Berlin International – Fazit

Von 1959 bis zur Deutschen Einheit 1990 sendete Radio Berlin International im Kurzwellenbereich im 19-, 25-, 31- und 48-/49- und 50-Meterband für Nord- und Südamerika, für Afrika, die arabische Welt und Südostasien und auf der Mittelwelle für Europa in 11 Sprachen mit Richtstrahl- und Rundantennen. Journalisten und Journalistinnen aus 29 Nationen arbeiteten einvernehmlich mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen gut drei Jahrzehnte zusammen mit dem Vorsatz, etwas gesellschaftlich Nützliches für die internationale Verständigung der Völker zu tun und mit dem Wort an der Seite derer zu stehen, die Zuspruch brauchten, auch wenn die Hilfe, die ein Auslandsrundfunksender zu bieten vermochte, meist nur moralischer Natur sein konnte. Die Hörerinnen und Hörer auf fünf Kontinenten dankten es mit einem ungewöhnlich großem Maß an Zustimmung in ihren Briefen an die Redaktionen.

Am 2. Oktober 1990 um 24.00 Uhr stellte Radio Berlin International den Sendebetrieb endgültig ein und fiel der „Abwicklung“ anheim.

Berlin, den 30.10.2014

Klaus Jaschinski

Bilder:

Beitragsbild: Funkhaus Nalepastraße – vom anderen Ufer der Spree
Grafik CC von: wikimedia, Autor: Andreas Steinhoff
Bild: Logo von Radio Berlin International.
Grafik CC von: wikimedia, Urheber Ericmetro

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